Archiv für den Monat: Dezember 2014

Das Geheimnis der Rhetorik: So erhalten Sie immer ein Ja

… inklusive Beförderung, Yacht und einen Schulplatz in Hogwarts für die lieben Kleinen.

Die Redekunst diente schon in der Antike als Mittel zur Meinungsbildung oder um jemanden von einer Handlung zu überzeugen. Im Laufe der Jahrhunderte erschlossen sich verschiedene Anwendungsfelder und Ebenen, um über Rhetorik zu debattieren und diese zu gebrauchen.

Was denken Sie über die Sprechkunst? Ein Werkzeug in politischen Reden oder Verkaufsgesprächen, um Peter Pan Anti-Faltencreme zu verkaufen?

Was würden Sie sich von einem Rhetorik-Seminar versprechen? Einen geheimnisvollen Trick, den Rest der Welt vom eigenen Standpunkt zu überzeugen? Oder alles Humbug und Fantasterei?

Ein Gespräch ist gewollte Kommunikation, der Wille zu einem Austausch. So ein Austausch bedeutet, dass ich meinen Standpunkt erläutern kann, aber auch ein Ohr für den meines Gesprächspartners habe. Ich möchte gehört und verstanden werden, vielleicht möchte ich von meiner Meinung überzeugen. Mein Gegenüber möchte das ebenso. Auch er hat eine Position. Rhetorik als Mittel der gezielten Manipulation halte ich für destruktiv und nimmt beiden Seiten Optionen. Wenn wir offen in ein Gespräch gehen, haben wir verschiedene Möglichkeiten: Wir können uns Gehör verschaffen und eine andere Perspektive erleben, indem wir unserem Partner genau zuhören. Wir können unsere Meinung überdenken oder den Gegenüber dazu bringen, unseren Standpunkt zu verstehen.

Meiner Erfahrung nach werden sehr gute Seminare zu diesem Thema angeboten, von qualifizierten und reflektierten Trainerinnen/Trainern: Keine Versprechungen wie „So erhalten Sie immer ein Ja“ oder „Argumentationstechnik – Wie Sie jede Diskussion gewinnen“. Denn das würde bedeuten, dass wir den Verlauf eines Gesprächs zu 100 % kontrollieren könnten. Es wäre demnach möglich, den Gegenüber bewusst und zielgenau zu manipulieren. Das ist meiner Ansicht nach nicht machbar – und ethisch nicht zu vertreten. Ein Gesprächspartner ist meist ein Mensch. Ein Mensch ist kein Computerprogramm. Er ist nicht genau berechenbar. Seine Reaktion auf mich und meine Worte ist spekulierbar, jedoch nicht exakt vorhersehbar. Was mein Gesprächspartner tatsächlich versteht, hängt von diversen Einflüssen ab: Erfahrung, Emotionen, Sprachverständnis und mehr. Wenn ich „Türkis“ sage, hat mein Gegenüber vielleicht einen Grünton im Kopf, während ich mir einen Blauton vorstelle. Vielleicht ist Türkis für jemand anderen auch das, was für mich Violett ist. Wir wissen nicht, wie eine andere Person ihre Welt betrachtet und die eigenen Worte definiert. Jemand verbindet negative Gefühle mit dem Wort „Schule“, ein anderer positive. Ich sage „Pfannkuchen“, Sie verstehen „Eierkuchen“, dabei meine ich doch „Berliner“. Eine permanent sichere Kontrolle in Gesprächen kann also nicht erreicht werden. Warum auch, zu viel Sicherheit kann Dingen den Reiz und die Flexibilität nehmen, wir vergeben uns so die Chance auf unerwartete Entwicklungen.

Rhetorik-Training, Gesprächsführung, Konfliktlösungsgespräche

Verständnis und Missverständnis

In der Realität läuft es nicht immer diplomatisch. Einige argumentieren lauter, als andere. Das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Dass wir in unserem Alltag nicht wertfrei diskutieren können, da unsere Emotionen zu den besprochenen Themen immer mitschwingen, ist auch kein Widerspruch. Wir können unsere Gefühle nicht komplett ausblenden. Sie helfen uns sogar, denn wenn wir wegen einer Sache ein ungutes Gefühl haben, überprüfen wir diese genau. Rhetorik kann helfen, anderen mehr Raum zu lassen und sich selbst in Offenheit gegenüber unterschiedlichen Positionen zu üben. Rhetorik kann ebenso helfen, seinen eigenen Standpunkt hörbar zu vertreten, sich Respekt zu verschaffen, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen und selbstbewusster zu wirken. Sie ist meiner Meinung nach ein wichtiges Hilfsmittel, das, was ich sagen will, so zum Ausdruck zu bringen, dass mein Gegenüber mich versteht und verstehen möchte.